Aktuelles

Neues von IDS.

Zurück

Stückgut unter Strom: Was E-Lkw heute schon leisten

(Quelle: T. Küppers / trans aktuell)

Wie gelingt der Umstieg auf E-Mobilität im Stückgut – technisch, operativ und vor allem wirtschaftlich? Beim trans aktuell-Symposium „Aufgeladen für 2030 – Stückgut schaltet auf Strom um“ im IDS Zentral-HUB in Neuenstein standen genau diese Fragen im Mittelpunkt. Experten und Praktiker aus der Logistikbranche zeigten, wo die Branche aktuell steht – und welche Erfahrungen bereits im täglichen Einsatz gesammelt werden.

E-Mobilität im Stückgut ist längst mehr als die Entscheidung für einen neuen Antrieb. Damit E-Lkw wirtschaftlich eingesetzt werden können, müssen Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung und operative Abläufe zusammenspielen. Entsprechend breit war das Themenspektrum des Symposiums: von politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen über CO₂-Einsparpotenziale und Flottenstrategien bis hin zu Ladeinfrastruktur, Energiemanagement und effizienter Routenplanung.

Dabei wurde deutlich: Die Elektrifizierung der Stückgutlogistik ist keine Zukunftsvision mehr. Unternehmen wie Geis, DSV und Dachser arbeiten bereits konkret an der Transformation ihrer Flotten und Infrastruktur. Auch IDS konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Einblicke in die eigene E-Mobilitätsstrategie und die Ladeinfrastruktur am IDS Zentral-HUB geben.

Geis: E-Lkw rechnen sich im HUB-Verkehr

Wie der Hochlauf in der Praxis aussehen kann, zeigte Marcus Wieser, Leiter Nachhaltigkeit der Geis Gruppe Deutschland. Geis ist Gesellschafter im IDS Netzwerk und setzt E-Lkw auch im Stückgutverkehr ein. Seine Bilanz zeigt: Unter den richtigen Voraussetzungen können die Fahrzeuge nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch wirtschaftlich überzeugen.

Besonders interessant ist der Vergleich der Kilometerkosten im IDS HUB-Verkehr. An den drei untersuchten Geis-Standorten Ebersdorf, Bad Neustadt und Nürnberg lagen die kalkulierten Kosten der E-Lkw pro Kilometer jeweils unter denen vergleichbarer Dieselfahrzeuge; teilweise bis zu 25 Prozent.

Ein wichtiger Grund: Die höheren Leasingkosten der Elektrofahrzeuge werden durch geringere Energie- und Mautkosten kompensiert. Gleichzeitig machte Wieser deutlich, dass sich die Ergebnisse nicht pauschal übertragen lassen. Entscheidend sind unter anderem Fahrleistung, Strompreise und die vorhandene Ladeinfrastruktur.

Geis will die Elektrifizierung seiner Flotte auch in den kommenden Jahren konsequent fortsetzen. Bereits heute gehören 32 E-Lkw zur europäischen Flotte. Hinzu kommen unter anderem sechs Millionen Liter eingesetztes HVO, 136 E-Pkw und 111 Ladepunkte für Pkw und Lkw. Seit 2021 konnten durch HVO, Photovoltaik und Energieeffizienzprojekte nach Unternehmensangaben rund 30.000 Tonnen CO₂e eingespart werden.

Die eigentliche Herausforderung liegt hinter der Steckdose

Eine zentrale Erkenntnis des Vortrags: Die Fahrzeugtechnik selbst ist beim Hochlauf der E-Mobilität nicht mehr die größte Hürde. Komplexer ist die Frage, wie eine wachsende E-Flotte zuverlässig und wirtschaftlich mit Energie versorgt werden kann.

Mit jedem zusätzlichen E-Lkw steigen die Anforderungen an Netzanschlusskapazitäten, Ladeleistung und Energiemanagement. Für jeden Standort muss deshalb ermittelt werden, wie hoch der künftige Energiebedarf sein wird und welche Ladeinfrastruktur dazu passt. Gleichzeitig gilt es, selbst erzeugten PV-Strom möglichst effizient zu nutzen und gegebenenfalls externe Ladeparks entlang wichtiger Hauptlauflinien einzubeziehen. Hinzu kommen die notwendigen Investitionen und die Frage, wie Ladeinfrastruktur wirtschaftlich ausgelastet werden kann.

Wiesers Fazit bringt damit eine zentrale Herausforderung der gesamten Branche auf den Punkt: Die Transformation entscheidet sich weniger an der Verfügbarkeit geeigneter E-Lkw als am strategischen Ausbau von Ladeinfrastruktur und Energieversorgung – und an deren wirtschaftlicher Integration in die bestehenden Logistikprozesse.

Gemeinsam elektrifizieren

Gerade für ein Stückgutnetzwerk wie IDS ist diese Erkenntnis entscheidend. Denn E-Mobilität funktioniert nicht isoliert an einem einzelnen Standort. Hauptläufe, Reichweiten, Ladezeiten, Energiepreise und verfügbare Ladepunkte müssen zunehmend im gesamten Netzwerk zusammengedacht werden.

Genau hier lag die Stärke des trans aktuell-Symposiums: Unterschiedliche Perspektiven aus Unternehmen, Verbänden und Praxis zusammenzubringen und Erfahrungen zu teilen. Die Beispiele zeigen, dass der Weg zur elektrischen Stückgutlogistik anspruchsvoll ist – aber längst begonnen hat. Und sie zeigen auch: Wenn Fahrzeuge, Infrastruktur und Prozesse aufeinander abgestimmt werden, kann E-Mobilität nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich funktionieren.